Der Kryptomarkt könnte sich grundlegend wandeln, glaubt Bitwise. Bisher wurden viele digitale Assets vor allem anhand von Nutzerzahlen, Hype und Spekulation bewertet. Jetzt rückt eine andere Kennzahl mehr in den Fokus: echte Einnahmen.

Für Anleger könnte das spürbare Folgen haben. Hougan hält es für möglich, dass sich die Bewertungen einiger Projekte in den nächsten Jahren verdoppeln oder sogar vervielfachen. Entscheidend ist weniger die Größe eines Netzwerks als die Frage, ob daraus tatsächlich nachhaltige Umsätze fließen und ob ein Teil davon den Token-Inhabern zugutekommt.
Einnahmen als neue Bewertungsgrundlage
Jahrelang gab es bei vielen Altcoins ein Grundproblem: Die dahinterstehenden Protokolle erzeugten teils beachtliche Gebühren, von denen Tokenhalter aber kaum direkt profitierten. Regulatorische Unsicherheit in den USA hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.
Inzwischen scheint sich das Umfeld zu verändern. Durch regulatorische Entwicklungen und das Ende einiger Rechtsstreitigkeiten wird es für Kryptoprojekte wieder attraktiver, wirtschaftliche Aktivität stärker mit dem Token zu verknüpfen. Das könnte auch die Art beeinflussen, wie Anleger Kryptowährungen bewerten.
Weg von Metriken wie TVL, Transaktionsvolumen oder Nutzerzahlen, hin zu einer Frage: Wie viel Geld verdient das Protokoll – und wie viel davon kommt dem Token zugute?
Genau hier sieht Bitwise ungenutztes Potenzial.
Hyperliquid als Beispiel, wie es funktionieren kann
Ein besonders interessantes Beispiel ist Hyperliquid. Die dezentrale Handelsplattform setzt darauf, dass ein Großteil der Gebühren zum Rückkauf des hauseigenen HYPE▲$70.78-Tokens verwendet wird. Danach werden Teile der zurückgekauften Token aus dem Umlauf genommen.
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Laut Angaben, die BTC▲$62,630.00-ECHO zitiert, wurden so HYPE-Token im Wert von rund 1,3 Milliarden US-Dollar aus dem Wirtschaftskreislauf entfernt. Das Prinzip erinnert an Aktienrückkäufe: Wenn Gewinne erwirtschaftet und eigene Aktien zurückgekauft werden, steigt der Wert der verbleibenden Anteile.
Aus einem Krypto-Token wird damit ein Asset mit greifbareren wirtschaftlichen Mechanismen.
Auch Uniswap, Aave und andere Projekte probieren ähnliche Ansätze
Hyperliquid ist längst kein Einzelfall mehr. Andere bekannte Projekte testen Mechanismen, die Protokollumsätze stärker mit dem Token verknüpfen.
Dazu gehören unter anderem Uniswap und Aave. Plattformen wie Pump.fun und Layer-1-Netzwerke wie Solana und Aptos arbeiten ebenfalls an Modellen, die Gebühren- und Tokenstrukturen enger verankern.
Für den Kryptomarkt ist das wichtig, weil damit eine neue Bewertungsgrundlage entstehen könnte. Je größer die Einnahmen eines Protokolls und je direkter diese Einnahmen durch Buybacks, Burns oder ähnliche Mechanismen an Tokenhalter weitergegeben werden, desto unabhängiger könnte sich der fundamentale Wert eines Assets von reiner Spekulation entwickeln.
Warum Bitwise jetzt optimistisch bleibt
Hougan zieht einen Vergleich zur frühen Phase großer Tech-Unternehmen. Dort war lange unklar, wie sich riesige Nutzerzahlen in nachhaltige Einnahmen verwandeln lassen.
Bei Krypto könnte ein ähnlicher Prozess beginnen. Dezentrale Börsen, Kreditplattformen und Blockchain-Netzwerke haben bereits breite Nutzerbasen und hohes Transaktionsvolumen. Wenn daraus stabile Einnahmen entstehen, könnte der Markt diese Projekte völlig neu bewerten.
Besonders interessant ist der Zeithorizont: Die Einnahmen der relevanten Protokolle könnten in den nächsten 12 bis 24 Monaten weiter wachsen. Wenn gleichzeitig die Verbindung zwischen Einnahmen und Tokenwert stärker wird, dürfte eine deutliche Neubewertung möglich sein.
Verdopplung oder mehr?
Daraus ergibt sich Bitwises Kernthese: Krypto-Bewertungen könnten sich stärker erhöhen als bisher erwartet – bei einigen Projekten sogar verdoppeln oder vervielfachen.
Trotzdem trifft das nicht auf jeden Altcoin zu. Entscheidend bleiben die wirtschaftlich wirklich aktiven Projekte, die ihren Tokeninhabern nachvollziehbare Anteile geben.
Für Anleger könnte ein Perspektivwechsel sinnvoll sein: Statt dem nächsten Hype-Token hinterherzulaufen, rückt die Frage in den Mittelpunkt, welche Protokolle heute echte Einnahmen erzielen und gleichzeitig Wege finden, diesen Wert direkt an die Tokenhalter weiterzugeben.
Wenn sich dieses Modell durchsetzt, könnte das eine neue Bewertungsphase im Kryptomarkt einläuten. Bitwise hält das für eine der spannendsten Entwicklungen der kommenden Jahre – vielleicht den nächsten großen Treiber für ausgewählte Altcoins.
