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Krypto-Haltefrist vor dem Aus: Klingbeil kassiert Bitcoin-Steuervorteil – und die Linke schlägt Alarm

Alexander Nauman
11. September 2026 6 Min. Lesezeit
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In Deutschland könnte die steuerfreie Haltefrist für Krypto-Geschäfte bald der Vergangenheit angehören.

Krypto-Haltefrist vor dem Aus: Klingbeil kassiert Bitcoin-Steuervorteil – und die Linke schlägt Alarm

Ein Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums sieht vor, Gewinne aus Bitcoin, Ethereum und weiteren Kryptowerten künftig unabhängig von der Haltedauer zu besteuern. Geplant ist eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Gleichzeitig sorgt der Bestandsschutz für Altbestände für neuen politischen Streit.

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Inhaltsverzeichnis

Bitcoin nach einem Jahr steuerfrei? Das könnte bald vorbei sein

Bisher gilt in Deutschland eine Besonderheit: Wer Kryptowährungen länger als zwölf Monate hält, muss Gewinne aus dem Verkauf in der Regel nicht versteuern. Das basiert darauf, Kryptowerte als private Veräußerungsgeschäfte zu behandeln (Stichwort § 23 EStG).

Genau diese Regel will Bundesfinanzminister Lars Klingbeil abschaffen. Zukünftig sollten Gewinne aus Kryptowerte ähnlich behandelt werden wie Gewinne aus Aktien und anderen Kapitalanlagen. Für neu erworbene Kryptowerte würde die bisherige Steuerfreiheit nach Ablauf der einjährigen Haltefrist wegfallen.

Die Neuregelung soll zum Jahreswechsel greifen, als stichtag gilt der 31. Dezember 2026. Käufe vor diesem Datum sollen laut bisher bekannten Informationen durch einen Bestandsschutz geschützt bleiben.

Für deutsche Bitcoin-Anleger wäre das eine starke Veränderung. Die Frage geht längst über “Fällt die Haltefrist?” hinaus. Entscheidend ist, wie die Übergangsregeln aussehen und was mit bereits gehaltenen Coins passiert.

25 Prozent Steuer auf Krypto-Gewinne: Was Klingbeil plant

Das Finanzministerium will Kryptowerte steuerlich stärker an klassische Kapitalanlagen angleichen. Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin, Ether und Co. sollen künftig unabhängig von der Haltedauer unter die Abgeltungsteuer fallen.

Der Plan sieht 25 Prozent vor. Das würde das System grundlegend verändern: Ein Bitcoin, der fünf Jahre gehalten wurde, wäre steuerlich nicht besser gestellt als einer, der nur wenige Monate gehalten wurde.

Für aktive Trader könnte die Reform aber auch eine andere Seite haben: Die Behandlung von Kryptowerten würde stärker ins Kapitalanlagen-System rutschen. Deshalb ist die Sache komplizierter als die einfache Behauptung „Bitcoin wird 25 Prozent besteuert“.

Nach Angaben des Finanzministeriums sollen die zusätzlichen Einnahmen zunächst bei rund 160 Millionen Euro liegen und langfristig auf bis zu 350 Millionen Euro jährlich steigen.

Linke greifen Klingbeil scharf an

Aus der Linksfraktion kommt scharfe Kritik. Isabelle Vandre, Sprecherin für Finanzkriminalität, wirft Klingbeil vor, vor der Krypto-Lobby zu einknicken. Besonders das Festhalten am Bestandsschutz bei Altbeständen störe sie.

Ihren Berechnungen zufolge brächte der Entwurf deutlich weniger Einnahmen als eine umfassendere Krypto-Besteuerung. Sie nennt mögliche 12 Milliarden Euro bei einer konsequenteren Regulierung, während der aktuelle Entwurf nur rund 350 Millionen Euro jährlich liefern soll.

Vandre verweist zudem auf Spenden von Krypto-Unternehmen wie Bitpanda im Bundestagswahlkampf und schiebt dem Entwurf eine Lobbyismus-Komponente zu. Damit wird aus einer Steuerreform auch eine Debatte über Einflussnahme.

Warum Bestandsschutz für Bitcoin-Anleger so wichtig ist

Für Anleger dürfte der Bestandsschutz wichtiger sein als der konkrete Steuersatz. Wer bereits Bitcoins oder andere Kryptos vor dem Stichtag gekauft hat und die Haltefrist erfüllt war, könnte weiterhin von der bisherigen Steuerfreiheit profitieren. Neu gekaufte Coins würden hingegen dem neuen System unterliegen.

Diese Trennung ist politisch umstritten. Die Linke fordert eine deutlich umfassendere Besteuerung und lehnt den Bestandsschutz kritisch ab. Auch rechtlich und politisch betrachtet wäre eine nachträgliche Schlechterstellung bereits bestehender Investments heikler.

Auch innerhalb der SPD ist noch nicht alles endgültig geklärt. Die Abgeordnete Annika Klose betonte kürzlich, Kryptowerte künftig wie andere Kapitaleinkünfte zu behandeln. Zugleich soll die Regelung zeitgemäß und steuerlich fair sein.

Krypto-Steuer: Was ändert sich für Anleger?

RegelungBisherGeplanter Neuentwurf
HaltedauerNach mehr als 1 Jahr grundsätzlich steuerfreier VerkaufHaltedauer soll keine Steuerfreiheit mehr bringen
SteuersatzAbhängig von persönlichem Einkommensteuersatz bei steuerpflichtigen Verkäufen25 % Abgeltungsteuer geplant
Verkauf innerhalb eines JahresGewinn grundsätzlich steuerpflichtigGewinn weiterhin steuerpflichtig
Verkauf nach mehr als einem JahrGrundsätzlich steuerfreiKünftig grundsätzlich steuerpflichtig
Bereits vorhandene KryptowerteAktuelle Regeln geltenBestandsschutz vorgesehen
Neu gekaufte Kryptowerte1-Jahres-Frist relevantNeue Besteuerungsregeln sollen greifen
Ziel der ReformPrivate VeräußerungsgeschäfteAnnäherung an die Besteuerung von Kapitalanlagen

Was bedeutet die Reform für Bitcoin, Ethereum und Altcoins?

Für Langzeitinvestoren könnte sich das Kalkül deutlich ändern. Bisher konnte man Gewinne aus dem Verkauf nach mehr als einem Jahr steuerfrei realisieren. Das macht Deutschland attraktiv für Langfrist-Anleger.

Wegfällt die Haltefrist, verliert lange Haltedauer steuerlich an Bedeutung. Das könnte besonders für Anleger mit großen unrealisierten Gewinnen relevant sein. Gleichzeitig wird eine saubere Transaktionsdokumentation wichtiger: Käufe, Verkäufe, Tauschhandlungen und Anschaffungskosten müssen nachvollziehbar bleiben, damit Gewinne wie Kapitalerträge behandelt werden können.

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Für aktive Trader könnte die neue Regelung je nach Details auch anders wirken. Ob Verlustverrechnung, Abzugsmöglichkeiten oder der Steuerabzug der Börsen wirklich so funktionieren, wird sich erst im finalen Gesetz zeigen.

Noch kein endgültiges Gesetz

Trotz aller Schlagzeilen bleibt der Entwurf vorerst eine Vorlage. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Bundestag und Bundesrat müssen beraten und beschließen. Übergangsregelungen, technische Details und die konkrete Umsetzung von Transaktionen können sich noch ändern.

Derzeit gilt also weiterhin die einjährige Haltefrist.

Erst mit dem endgültigen Gesetz steht fest, welche Käufe unter dem alten und welche unter dem neuen System fallen. Auch die Praxis der technischen Umsetzung durch Kryptobörsen wird eine Rolle spielen. Berichten zufolge soll den Anbietern eine Übergangsphase eingeräumt werden, bevor der automatische Steuerabzug verpflichtend wird.

Deutschlands Krypto-Steuervorteil steht auf dem Spiel

Für die Branche geht es um mehr als nur Prozentpunkte. Die bisherige Haltefrist war ein wichtiger Vorteil für Langzeitinvestoren. Wegfällt sie, rückt Bitcoin und Co. stärker in Richtung klassischer Kapitalanlagen.

Ob Deutschland so attraktiver oder weniger attraktiv für Krypto-Investoren wird, hängt vom endgültigen Text ab. Klar ist schon: Der steuerfreie Bitcoin-Gewinn nach einem Jahr könnte bald Geschichte sein. Für Bestandsinvestoren könnte der Bestandsschutz zum Rettungsanker werden. Für alle anderen dürfte der Stichtag 31. Dezember 2026 eine Schlüsselpunkte werden. Die politische Debatte hat gerade erst begonnen.