Die US-Notenbank hat den Leitzins am Mittwoch zum sechsten Mal in Folge unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel 9 zu 3 – dabei stimmten Beth Hammack, Neel Kashkari und Lori Logan gegen und plädierten stattdessen für eine Erhöhung um 25 Basispunkte. Damit war die Runde des Offenmarktausschusses so gespalten wie zuletzt im September 2016.
Die Krypto-Szene hat die Meldung erstaunlich gelassen aufgenommen. Bitcoin pendelte weiter bei rund 64.000 Dollar und verlor knapp 0,5 Prozent zum Vortag. An der Börse sah das völlig anders aus: Der S&P 500 sackte um rund 1,5 Prozent ab, der Nasdaq verlor 1,7 Prozent, und der Dow Jones schrabbelte sogar 2,19 Prozent nach unten. Für den S&P 500 war das die schwächste Reaktion, die es je nach einer zweiten Zinsentscheidung unter einem neuen Notenbankchef gab.

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Nur knappes Ergebnis, aber mit Signalwirkung
Die drei Gegenstimmen kamen von den Präsidenten der Fed-Filialen Cleveland, Minneapolis und Dallas. In ihrer Erklärung führte die Notenbank die Inflation an, die seit über fünf Jahren über dem Ziel von 2 Prozent liegt, vor allem auf angebotsseitige Schocks – etwa im Energiesektor. Gleichzeitig beschrieb sie die wirtschaftliche Aktivität als robust, trotz der andauernden Unsicherheit durch den Nahost-Konflikt.
Fed-Chef Kevin Warsh wollte die Entscheidung bei der Pressekonferenz ausdrücklich nicht als Pause sehen. Stattdessen sprach er von einer „gründlichen Neubewertung der wirtschaftlichen Lage“. Ein weiches, inoffizielles Inflationsziel gebe es nicht – 2 Prozent bleibe die einzige gültige Marke. Fünf Jahre erhöhte Preise ließen sich, so Warsh, nicht in neun Wochen oder durch einen Monat moderater Abkühlung heilen. Außerdem wies er darauf hin, dass die Renditen von US-Staatsanleihen seit dem letzten Treffen vor 42 Tagen deutlich gestiegen sind.
Warum die Krypto-Reaktion schleppte und die Aktien Märkte trotzdem zulegten
Digitale Assets hielten sich insgesamt in ihrer vertrauten Range. Die gesamte Marktkapitalisierung schob sich binnen 24 Stunden um 0,2 Prozent auf 2,2 Billionen Dollar nach oben. Bitcoin verlor weniger als 1 Prozent, Ethereum gab rund 1 Prozent nach und stand bei etwa 1.900 Dollar. BNB▲$572.56 legte 0,6 Prozent zu auf 574 Dollar, XPR fiel knapp 1 Prozent auf 1,08 Dollar. Solana blieb minus 0,8 Prozent bei rund 73,37 Dollar.

Steven Coltman, Chef-Makrostratege bei 21Shares, nannte die Entscheidung eine „Erleichterung für Anleger“, warnte aber, dass das Septembersignal schwieriger werden könnte, falls die Inflation hoch bleibt. Kaan-Luca Koymen von der Sygnum Bank betonte, dass die Fed sich ihre Optionen weiter offenhalten wolle.
An den Aktienmärkten herrschte deutlich mehr Nervosität. Laut Bespoke Investment Group war das die schwächste Reaktion auf eine zweite Fed-Sitzung unter einem neuen Vorsitzenden, die es je gab.
Ökonomen uneins über den weiteren Weg
Kathy Bostjancic, Chefökonomin bei Nationwide, hält das Festhalten am aktuellen Zinsniveau bis Jahresende für sinnvoll, weil die Inflation vor allem durch Angebotsschranken getrieben sei – eine Erhöhung würde daran nichts ändern. Jeffrey Gundlach von DoubleLine Capital sieht das anders: Die Inflation habe ihr eigenes Momentum, aber die Fed müsse trotzdem am Ziel von 2 Prozent festhalten; eine Zinserhöhung sei unausweichlich.
Am Markt rechnet man derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 65 Prozent für eine Erhöhung um 25 Basispunkte. Polymarket setzt auf 54 Prozent, Kalshi auf 53 Prozent.
Steven Douglass von NISA Investment Advisors gehört zu den wenigen, die weiter auf eine Zinssenkung setzen – er nannte die Juli-Entscheidung ein „hawkishes Halten“ und rechnet mit einem Cut im März 2027. Jim Caron von Morgan Stanley Investment Management sieht die Debatte um Zinsen als weniger relevant, weil der eigentliche Straffungsprozess schon über steigende Anleiherenditen läuft – Kursrückgänge nach solchen Sitzungen seien eher eine Kaufgelegenheit.
